Woher kommen in Zukunft die Kunden?

Thomas Ballnath ist Aufsichtsrat der Taxizentrale München und selbst Taxi-Unternehmer. Hier schreibt er darüber, wie die Digitalisierung das Taxi-Gewerbe verändert und weiter verändern wird.

Ist die Zukunft des Taxi- und Mietwagengeschäfts vollkommen digital? Fest steht, dass die Digitalisierung die Auftragsvermittlung vollkommen verändert hat. Gab es früher noch Radio-Werbung für Taxi-Rufnummern, erfolgt heute das Marketing für neue Fahrgäste für den Gelegenheitsverkehr in der App. Doch Vorsicht: Wer derzeit ausschließlich auf den digital herbei geschafften Kunden setzt, nutzt womöglich nicht sein gesamtes Geschäftspotenzial.

Schauen wir auf die Details. Noch immer existiert in Sachen Digitalisierung auch im Taxi- und Mietwagenmarkt ein großes Stadt-Land-Gefälle. Am Land gibt es zwar auch elektronische Vermittlungssysteme, aber dort laufen die Uhren eben noch anders. New-Economy-Modelle in der Stadt wie der Mietwagenservice Uber oder der Taxianbieter FREENOW laufen dagegen zu 100 Prozent digital. Und wie schaut es bei den Taxizentralen aus? Das klassische Taxisgeschäft der alten Taxizentralen ist zu 30 Prozent digital, entweder über App oder Webportal. Vor allem Hotels oder Firmen bestellen ihre Fahrten hier digital. 70 Prozent der Anfragen laufen bei der Taxizentrale jedoch noch immer als klassischer telefonischer Auftrag auf. Eine hohe Zahl, für die es jedoch eine Erklärung gibt.

Vor allem ältere Leute bedienen kein App-Geschäft. Hinzu kommt, dass es noch immer viele Beförderungsfälle gibt, die eine App nicht abwickeln kann, beziehungsweise nicht abwickeln will. Sie können sich heute ohne Probleme über eine App ein Taxi bestellen, vielleicht auch noch ein spezielles Fahrzeug, falls sie im Taxi etwas transportieren möchten. Aber das war’s. Wenn Kunden allerdings eine Serienfahrt buchen wollen, oder eine Tour über mehrere Stationen, klären sie diese Beförderungsfälle noch immer gern telefonisch über klassische Taxizentralen. Auch in den kommenden Jahren ist davon auszugehen, dass das serviceorientierte Individualgeschäft noch immer von den klassischen Taxizentralen abgewickelt wird.

Es ergibt daher Sinn für ein Unternehmen, sowohl digital um Kunden zu werben, als auch bei der Taxizentrale vertreten zu sein. Zumal bei den New-Economy-Modellen die Gebühren entsprechend hoch sind. Bei einer Taxizentrale zahlt ein Taxiunternehmen eine monatliche Gebühr, die auf den Umsatz umgelegt 6 bis 7 Prozent des Auftragsvolumens ausmacht. Bei New-Economy-Modellen wie Uber oder FreeNow zahlen Unternehmer dagegen um die 25 Prozent Gebühren. Dahinter steht dann allerdings auch ein höheres Marketingbudget für die Kundengewinnung. Ein solches hat eine klassische Taxizentrale so nicht zur Verfügung.

Auch beim elektronische Bezahlen zeigt sich ein differenziertes Bild im Taxi- und Mietwagenmarkt. So ist im Taxi Bargeld noch immer das führende Zahlungsmittel. Etwa 70 bis 80 Prozent des Geschäfts werden über Bargeld abgewickelt. Allerdings spielt das elektronische Bezahlen, ob mit der Kreditkarte, dem Handy oder per Paypal, eine immer größere Rolle. Im Mietwagengeschäft läuft dagegen durch die Digitalisierung automatisch auch die Bezahlung sehr viel häufiger elektronisch ab. Oder der Kunde bekommt noch ganz klassisch eine Rechnung.

Unser Fazit: Digitalisierung ja, aber nicht um jeden Preis. Vor allem, wenn es um einen erweiterten Service für den Kunden geht, stößt die Automatisierung von Bestell- und Miet-Prozessen noch immer an Grenzen. Hier hilft nur der direkt Dialog mit dem Kunden.